Alternative Fakten: „Eurofighter-Flüge vorerst eingestellt“ (NDR, Nordkurier usw) | 26.6.2019 : Eurofighter aus Rostock Laage und aus anderen Stützpunkten führen routinemäßige Luftkriegsvorbereitungen über der Region Müritz und in anderen Sektoren der Flugzone ED-R 401 MVPA NE aus

„Eurofighter-Flüge vorerst eingestellt“

Quelle: ARD / ndr https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Nach-Eurofighter-Absturz-Flugdatenschreiben-gefunden,eurofighter200.html

„Laage. Nach dem Absturz von zwei Kampfjets des Luftwaffengeschwaders 73 „Steinhoff” bei Malchow soll der Flugbetrieb dort Anfang kommender Woche wieder aufgenommen werden. Das kündigte die Luftwaffe am Mittwoch an.“

Quelle: https://www.nordkurier.de/mecklenburg-vorpommern/eurofighter-flugbetrieb-beginnt-anfang-naechster-woche-wieder-2635918306.html

„Luftwaffe setzt Flüge nach Eurofighter-Unglück aus … In dieser Woche werden von Laage voraussichtlich keine Kampfjets mehr starten. … Da die Unglücksursache noch unklar sei, werde der Flugbetrieb ausgesetzt. Auch die Crews müssten den Vorfall erst verarbeiten.“

Quelle: https://www.nordkurier.de/node/359026

edr401mvpa.wordpress.com informiert: Es handelt sich um eine unwahre Behauptung, die durch fast alle Massenmedien Deutschlands direkt aus der PR-Feder der Bundeswehr übernommen und offenbar ungeprüft verbreitet wurde und wird: Auch im Rest dieser Artikel finden sich – von ndr, über Nordkurier, Zeit bis SVZ und andere – identische Textbausteine, wie sie auch direkt in einem Artikel auf der Werbeseite der Bundeswehr, https://www.luftwaffe.de/ zu finden sind. Übrigens: in diesem Artikel steht deutlich, dass es sich bei dem Katastrophenflug nicht um einen Tiefflug handelte. Und warum das nicht der Fall war. Bitte auch mal luftwaffe.de lesen, liebe Parlamentarier. Da der Artikel eigentlich in peinlich einfacher Sprache geschrieben ist, dürften selbst zeitknappe PolitikerInnen in der Lage sein, die untaugliche Verengung auf Tiefflüge aus diesem Anlass fallen zu lassen und endlich das wahre Problem, nämlich sämtliche Luftkampfübungen in allen Flughöhen, zu adressieren. Alle Artikel der genannten Zeitungen und Sender erwähnen z.B., dass die Fahnen in Laage auf Halbmast wehen. Ein wichtiges Detail – direkt von luftwaffe.de abgeschrieben , wie auch andere Sätze und Textblöcke! Touché! Da wir schon dabei sind: Wo noch?! Der taz sind die Abstürze übrigens gleich nur eine Agenturmeldung unten links auf einer hinteren Seite wert. Null Kommentar, null Wertung, null Followup. So links ist die taz.

Folgende MLAT Aufzeichnung zeigt, wie am 26.6.2019, also zwei Tage nach dem Unglück mindestens drei Eurofighter oder Tornados (wäre ja auch echt dreist, Eurofighter nur zwei Tage nach dem Unglück über die Region Müritz zu schicken – oder? ) über der Katatstrophenregion Müritz / Mecklenburger Seenplatte gleiche Manöver fliegen, wie sie werktäglich mehrstündig nahezu gesamt Mecklenburg-Vorpommern und Nordbrandenburg verlärmen. Seit vorgestern wissen wir auch, dass diese Flüge außerdem ein enorm erhöhtes Risiko für alle Einwohner und Besucher der ED-R 401 MVPA NE darstellen. Die Kampfjets flogen am 26.6.2019 erneut in dem Höhenband riskante Manöver, in dem sich vor zwei Tagen bereits der Zusammenstoß ereignete.

Nordkurier:  Falsche Aussagen zur ED-R 401 MVPA NE und Themenverschiebung und Einengung auf Tiefflüge.

In einem Artikel vom 26.6.2019 ( https://www.nordkurier.de/mecklenburg-vorpommern-brandenburg/nordosten-ist-tiefflug-zone-2635909506.html ) werden ein Reihe von fehlerhaften Darstellungen mit veraltetem Kartenmaterial kombiniert.

Die aktuell bestehende geografische Ausdehnung der FlugzoneED-R 401 MVPA NE, der sog. Tankerovale und der Nachtflugzone ED-R 166 finden Sie hier: https://edr401mvpa.wordpress.com/2019/06/27/aktuelle-ausdehnung-der-militaerischen-flugzonen-ed-r-401-mvpa-ne-und-ed-r-166-ueber-mecklenburg-vorpommern-und-brandenburg

Es wird behauptet, bei der ED-R 401 MVPA NE würde es sich um eine Tiefflugzone handeln. Gezeigt wird ein Umriss der Flugzone, der bereits seit Monaten aufgrund von weiteren – wieder klammheimlich ausgeführten – Erweiterungen der Flugzone obsolet ist: Die Flugzone ED-R 401 MVPA NE ist nun viel größer, als vom Nordkurier dargestellt. Die genauen aktuell gültigen Umrisse sehen Sie in Kürze auf der Startseite dieser Website als Aktualisierung zum dort auffindbaren Paper von Braunstein & Leisegang.

Die Flugzone ED-R 401 MVPA NE ist per Definition keine Tiefflugzone. Diese Kernaussage des Nordkurier ist falsch – und bedient die uninformierte Verengung auf Tiefflüge. Allerdings ergeben sich aus den Übungen, die im Luftraum dieser Zone geflogen werden, riskante Flugmanöver im Luftraum unterhalb der unteren Höhenbegrenzung dieser Flugzone. Also auch Tiefflüge. Tiefflüge sind damit eine Folge der Übungen, die in der ED-R 401 MVPA NE ausgeführt werden. Tiefflüge dürfen überall in Deutschland zu jeder Zeit ausgeführt werden. Tiefflüge unterhalb von 300m sind per „Tiefflugkontingent“ – interne hier auch Tieffluglatrate genannt* – im Gebiet der ED-R 401 MVPA NE zusätzlich Routine. Aber nicht Bestandteil der Definition der ED-R 401 MVPA NE und ihrer Bestimmung. Deshalb tauchen Flüge, die unterhalb der unteren Flughöhenbegrenzung der Flugzone ausgeführt werden, wie z.B. möglicherweise die Katatstrophenflüge vom 24.6.2019 (!), nicht in der Statistiken zur ED-R 401 MVPA NE auf, die die Grünen (siehe weiter unten) auch gerne zur Grundlage für die Forderung nach Verlagerung von militärischen Flugbetrieb nach Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg benutzen.

Zitat luftwaffe.de: „Bei der Air Combat Mission handelt es sich nicht um Tiefflüge. Solche finden auf rund 1.000 Fuß, also in rund 333 Metern Höhe, statt. Kampfmanöver wie die Air Combat Mission finden weit höher, nie unter 8.000 Fuß, rund 2.600 Metern Höhe statt.“ D.h. dass die Katstrophenflüge möglicherweise unterhalb der unteren Höhenbegrenzung für die über der Region Müritz liegenden Sektoren stattfand. Also unterhalb von Flight Level 100, also unterhalb von 10000 Feet, also unterhalb von ca. 3000m. D.h. diese Flüge würden z.B. nicht in der von den Grünen (siehe weiter unten) erfragten Statistik vorkommen. Denn diese Flüge würden dann im Luftraum unterhalb der Flugzone ED-R 401 MVPA NE stattgefunden haben. Möglicherweise sogar im sog. „unkontrollierten Luftraum“, der unterhalb von ca. 3000m beginnt und in dem militärische Flüge jederzeit stattfinden dürfen. Hier fliegen auch oft Sportflugzeuge, in direkter Nachbarschaft mit tief fliegenden Kampfjets (diese Website bezeichnet auch Flüge unterhalb von 3000m als Tiefflüge – weil sie als solche wahrgenommen werden). Interessant ist dabei vor allem auch, dass es sich dabei um Routineflüge, also ständig wiederholte Flugmuster handelt. Das legen der Artikel auf luftwaffe.de und die Berichterstattung der Medien nahe. So auch möglicherweise heute, am 26.6.2019: Große Teile der heutigen Luftkampfübungen fanden erneut unterhalb der unteren Flughöhenbegrenzung der ED-R 401 MVPA NE ausgeführt – also in Statistiken zu deren Nutzung wahrscheinlich nicht aufgeführt.

Die vom Nordkurier genannte Quelle (Drucksache 19/2553) behauptet nicht, dass es sich bei der ED-R 401 MVPA NE um eine Tiefflugzone handelt. In den Anlagen zur Drucksache ist ein mittlerweiler veralteter Auszug aus dem Militärischen Luftfahrthandbuch zu sehen. Die Zusammenstellung und Aufmachung der Grafik des Nordkuriers ist irreführend. Die Drucksache definiert die ED-R 401 MVPA NE nicht als Tiefflugzone. Auch die Bundeswehr – wie es die Grafik vermuten lässt – tut dies nicht. Zusätzlich werden die Betroffenen der Flugzone ED-R 401 MVPA NE im Nordkurierartikel gegeneinander in Stellung gebracht. Es ist nicht zutreffend, dass nur in bestimmten Gebieten der ED-R 401 MVPA NE Luftkampfübungen geflogen werden. Die Luftkampfübungen mögen in bestimmten Hotspots häufiger als anderswo wahrgenommen werden, sie verlärmen aber die gesamte militärische Flugzone ED-R 401 MVPA NE. In bestimmten Gebieten, z.B. Stechlin-Ruppin, kommen gehäuft extreme Tiefflüge vor, in anderen Überschallknalle, in anderen dröhnen oft Luftbetankungsflugzeuge, Hiddensee und Rügen werden oft durch die Zielflugzeuge der GFD mbH heimgesucht. Usw usf. Die werktäglichen Luftkampfübungen werden ständig ausgeweitet – es wird also überall in der ED-R 401 MVPA NE zu immer mehr militärischem Luftkriegslärm kommen. Es wird dann keine Schwerpunkte mehr geben – sondern die gesamte Zone wird militärisch dröhnen. Die Aussage bedient also am ehesten die neuerdings erhobenen Forderungen, die militärischen Flugübungen über eng begrenzten Gebieten innerhalb der ED-R 401 MVPA NE zu beenden. Die Übungen würden dann in anderen, weniger kommerziell ausgeschlachteten Gebieten der ED-R 401 MVPA NE stattfinden.

Die Grünen erheben übrigens mit der Zielrichtung der o.g. Drucksache die Maximalforderungen der Bundeswehr zu ihrem Ziel. Die genannte Anfrage der Grünen hat erhebliche inhaltliche Schwächen und subsumiert die ED.R 401 MVPA NE unter die seit Jahrzehnten bestehenden „normalen“ TRA Zonen der Bundesrepublik. Weder kommt die Besonderheit der ED-R 401 MVPA NE zu Wort, noch wird deutlich, dass die Datengrundlage für die ED-R 401 MVPA NE unvollständig ist. Es soll der Eindruck erweckt werden, in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg herrsche „himmlische Ruhe“ – wie es oft von der „Bürgerinitiative gegen Fluglärm und Umweltverschmutzung“ aus dem Saarland kolportiert wird. Diese BI tritt gegenüber edr401mvpa.wordpress.com äußerst aggressiv und pampig auf. Die Sprache ihrer e-mails ist von ausländerfeindlichen Formulierungen gespickt. Die BI arbeitet mit dem Grünen Abgeordneten Tressel zusammen, der diese und aktuell eine ähnliche Anfrage im Bundestag initiiert hat. Bündnis90/Grüne MV und Brandenburg positionierten sich bis vorgestern selbst nach mehrfacher Anfrage durch diese Website nicht zur ED-R 401 MVPA NE! Das ist hier nachzulesen. Sie müssten sich nämlich für die Flugzone positionieren – wollen Sie nicht der Stoßrichtung ihrer Bundespartei in die Quere kommen. Gleiches gilt für die Grünen Brandenburg, die sich bis jetzt nicht zum Unfall geäußert haben, soweit hier momentan bekannt ist. Forderungen der Grünen in MV, die nach dem Unfall aufkamen, wonach Flüge nach Skandinavien verlegt werden sollen, in „menschenleere Regionen“, sind ebenso unökologisch, wie sie arrogant sind. Und sie erinnern fatal an die Sprachregelung, die die Befürworter der Verlegung von Militärlärm und Luftkampfübungen nach Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sie pflegen: „menschenleere Gegenden“. Oder auch: „dünn besiedelt“. Auch diese Mähr macht sich der Nordkurier zu eigen. Dabei hat selbst die Bürgermeisterin von Nossentin – und die ist CDU, Nordkurier! – betont, dass sich in der Saison viele Urlauber allein in ihrem Ort aufhalten. Was der Nordkurier auch verschweigt: die ED-R 401 MVPA NE betrifft hunderttausende EU-Bürgerinnen und Bürger, die hier leben. Wie verwurzelt ist der Nordkurier eigentlich im Norden, wenn er solche polemischen Unschärfen publiziert und wider besseren Wissens einen Artikel voller Unwahrheiten zum Kontext des immer weiter ansteigenden militärischen Flugbetriebs über Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg publiziert – und das nicht zum ersten mal.

 

Zum Schluß wird noch die beliebte Watsche draufgesetzt: Wahlweise sind es „die Russen“ oder – wie hier – die DDR, in der es ja angeblich lauter gewesen sein soll. Was die militärische Fluglärmproblematik betrifft. Dies sei ein Fakt. Belegt wird nichts. Naja…

 

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s