Warum eine militärische Sonderflugzone im Osten besonders gut heimlich und arrogant eingerichtet und betrieben werden kann

Der MDR hat eine interessante Studie zu den Machtverhältnissen in Ostdeutschland veröffentlicht.

http://www.zeit.de/2016/22/ostdeutschland-2016-macht-einfluss-mdr-doku

Aus dem Artikel ergibt sich, dass der Anteil Ostdeutscher in den Führungsgremien von Politik und Wirtschaft im Osten verschwindend gering ist.

Die ED-R 401 MVPA North East wurde von Bürokraten der Bundeswehr, des Verteidigungsministeriums sowie DFS konzipiert und im Herbst 2013 so heimlich „aktiviert“, dass auf Nachfrage und Hinweis selbst im Sommer 2014, also ein halbes Jahr nach der Aktivierung der Zone, weder die lokale, noch die regionale und schon gar nicht die Bundespolitik Auskunft oder Informationen zu dieser Zone geben wollte oder konnte. Nur die Bundeswehr verwies auf eine versteckte Erwähnung der geplanten Zone in einem Amtsblatt und bezeichnete das als „Veröffentlichung“.

Widersprüchliche panische Äußerungen zu plötzlichen Tiefflügen über den Regionen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern wurden von deren Politikern getätigt. Selbst der Infrastrukturminister von Brandenburg gab falsche Informationen auf Nachfragen von Journalisten heraus. Die CDU OPR behauptete noch 2015, dass es diese Sonderflugzone gar nicht gäbe. Die Landesregieung Mecklenburg-Vorpommern erwies sich als nur halb informiert, auf Nachfrage der Grünen im Landesparlament. Niemand wußte (angeblich), dass eine regelmäßige militärische Übungszone für die Eurofighter der Bundeswehr und ihrer Verbündeten über den Köpfen der Einwohner von Mecklenburg-Vorpommern und nahezu des gesamten Nordens von Brandenburg jahrelang geplant und schließlich eingrichtet worden war. Eine Zone, in der es fortan erlaubt sein sollte, von früh bis spät militärische Flugübungen ausführen zu können – ganz so, wie das hier auch zu Zeiten der DDR diktiert wurde. Paradiesische Zustände – für die Bundeswehr! Normale Zustände – für die Westdeutschen Eliten, in deren Bundesländern es seit über 50 Jahren militärische Flugzonen und das Gedonner der NATO Jets gibt. Ein Skandal – für all die Ostdeutschen, die eben diese Militarisierung des Alltags und des Himmels über den Köpfen der Menschen und über den Landschaften des Ostens überwunden geglaubt und sich dafür eingesetzt hatten.

Seit Herbst 2013 befindet sich damit erstmals seit der Wiedervereinigung Deutschlands wieder eine reguläre militärische Übungszone über Gebieten, die bis zum Ende der DDR jahrzehntelang sehr unter militärischen Fluglärm zu leiden hatten.

Nach 1990 wurden diese Gebiete erfolgreich demilitarisiert, in vielen ehemaligen militärischen Sperrgebieten herrschte fortan Ruhe, am Boden und im Himmel, es entwickelten sich einmalige Naturräume und mit der ökologischen wuchs die touristische Bedeutung des Gebietes zwischen Ostseeküste und Berlin. Besucher aus Europa und der Welt kommen hierher. Als Beispiel sei hier die Region Rheinsberg/Zechlin/Kyritz/Wittstock genannt, deren „Bombodrom“ nach jahrelangem Ringen mit den Betonköpfen der Bundeswehr und des Verteidigungsministeriums zur militärfreien Zone wurde.

Heute fliegen wieder regelmäßig, auch tieffliegende Kampfjets über dieses Gebiet. Heute donnert es wieder täglich über der UNESCO World Heritage Site Müritz Nationalpark ( http://www.mueritz-nationalpark.de/cms2/MNP_prod/MNP/en/World_Natural_Heritage/index.jsp ) – eine Errungenschaft der Demilitarisierung dieses Gebietes nach 1990! Heute donnern täglich Eurofighter über die Stadtteile der vermeintlichen Kulturstadt Rheinsberg hinweg – deren Bürgermeister nichts dagegen unternimmt.

Konsequenzen? Keine. Die politischen Eliten der Bundesrepublik Deutschland finden militärischen Fluglärm über einem verhältnismäßig dünn besiedelten Gebiet (aber nur im Vergleich zum super dicht besiedelten Südwesten – aber eben doch dicht besiedelt!) völlig normal.

Der Vorgang der geheimen Installation einer der größten militärischen Sonderflugzonen in Deutschland, ausgerechnet über den o.g. Gebieten, die schon so viel unter militärischem Fluglärm zu leiden hatten, zeugt von völliger Respekt- oder Ahnungslosigkeit der verantwortlichen Politiker und Militärs.

Nach der Veröffentlichung des MDR stellt sich also auch hier die Frage: Ist die Einrichtung der ED-R 401 MVPA North East eine Folge des Fehlens von Ostdeutschen, die die Errungenschaften der Demilitarisierung Ostdeutschlands nach dem Ende der DDR erinnern, auch in den „Entscheideretagen“ des Verteidigungsministeriums, der DFS, der Bundeswehr? Oder sind die Ostdeutschen, die dort vielleicht bei der Einrichtung dieser militärischen Sonderflugzone mitgewirkt haben, in ihrer Vergangenheit mit den militärisch/politischen Eliten der DDR verbandelt gewesen, haben Sie 1990 vielleicht sogar einfach nur das Emblem auf ihrer Uniform gewechselt – wie das so viele von ihnen getan haben? Haben wir es heute mit dem gleichen Geist der militärischen Denke zu tun, wie vor 1990?

 

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