Kampfjetlärm über Mecklenburg-Vorpommern und nördlichem Brandenburg wiederhergestellt, Erholungs- und Naturschutzgebiete wieder unter Dauerfluglärm

Die Ausweitung des militärischen Flugbetriebes, der sich bis zum Herbst des Jahres 2013 nur im Rahmen eines Testbetriebes und in den Grenzen der dazu eingerichteteten Sonderflugzonen ED-R 306 und 206 befand, wurde ohne Anhörung der betroffenen Bevölkerung in Nordbrandenburg und in Mecklenburg-Vorpommern geplant und anschließend von der Deutschen Flugsicherung im Handbuch für Luftfahrer (und bekanntlich ist ein Großteil der betroffenen Bevölkerung regelmäßiger Leser dieses Handbuches) bekanntgegeben (nach Definition der brandenburger Landesregierung ist dies gleichbedeutend mit Veröffentlichung – siehe Dokumente auf dieser Website).

Nachem diese Website die heimliche Einrichtung, Etablierung und Überführung des militärischen Flugbetriebes in den „Regelbetrieb“ der militärischen Übungsflugzone ED-R 401 dokumentiert hatte, und nachdem die Redaktion dieser Website zahlreiche Zeitungen und den Rundfunk Berlin Brandenburg auf die Problematik aufmerksam gemacht hatte (nur das ND hatte berichtet, alle anderen Journalisten reagierten gar nicht oder blockierten die Information der Bevölkerung  [das wird hier noch im Detail zu lesen sein]), ist die Verlärmung weiter Teile von Nordbrandenburg und Mecklenburg-Vorpommern durch überwunden geglaubten Fluglärm durch Kampfflugzeuge nunmehr wieder tägliches Ereignis.

Die Region Rheinsberg/Kyritz/Flecken Zechlin, in der die Redaktion dieser Website ansässig ist, wird nun werktäglich mehrstündig unter einen intermittierenden Lärmteppich von hoch fliegenden und über der Region wieder nach Norden wendenden Eurofightern gelegt. Das Lärmgeschehen erinnert an Zeiten, in denen es normal war, daß die Luftstreitkräfte des Warschauer Paktes diese Region unter Lärmteppichen begruben. Dieser Vorgang wurde im Westen oft als Zeichen des totalitären Systems Ost gedeutet. Dennoch konnte das Bundesverteidigungsministerium sowohl die Proteste gegen die militärische Nutzung des sog. ehemaligen Bombodroms, als auch die Information der Öffentlichkeit bei der Planung und Einrichtung der Rückkehr zum militärischen Regelflugbetrieb über diesem Gebiet im Jahr 2013 hinter- bzw. umgehen und in die Fußstapfen des Warschauer Paktes treten.

Die Eurofighter des Luftwaffenstützpunktes Rostock-Laage fliegen nun werktäglich multiple Anflugübungen über der Region. Dabei überfliegen sie natürlich den gesamten Luftraum von Mecklenburg-Vorpommern in Nord-Süd-Ausdehnung, also auch die Mecklenburger Seenplatte. Leider liegen dieser Website keine Rückmeldungen von Betroffenen aus diesen Gebieten vor. Insofern werden hier momentan leider nur die Beobachtungen aus der Region Rheinsberg/Kyritz/Zechlin/Zempow beschrieben.

In der Regel besteht eine Lärmsequenz aus ca. ein- bis zweistündigen Staffelflügen von bis zu drei Kampfjets. Diese Sequenzen können sich mehrmals am Tag wiederholen, da die „genehmigten“ Flugzeiten absurd ausufernd sind, nämlich werktäglich zwischen 7 und 22.30 Uhr, am Freitag dann „nur“ bis 16 Uhr.
Diese „Normalisierung“ des militärischen Flugbetriebes ist bemerkenswert, in einer Region, in der es über Jahre hinweg starke Proteste gegen die Wiederaufnahme des militärischen Flugbetriebes in der Region durch die Bundesluftwaffe (in Fortführung der „Tradition“ der Warschauer-Pakt-Luftstreitkräfte) gegeben hatte.
Es scheint, als ob die Bevölkerung der Region tatsächlich zermürbt, erschöpft und ermattet vom langen Kampf gegen die Tiefflüge ist, keine Kraft mehr aufbringen kann, sich gegen diese durch die Hintertür erfolgte Remilitarisierung des ostdeutschen Himmels zu wehren.
Fahren die Berliner und Hamburger, die Niederländer und Skandinavier, die in dieser Region so oft zu sehen sind, nur an Wochenenden in die seit Herbst 2013 neuerdings als reguläres Luftkampfübungsgebiet geltenden Erholungsgebiete??
Die wenigen Stimmen, die sich gegen diesen undemokratischen Vorgang der heimlichen Einrichtung der Sonderflugzone ED-R 401 vernehmen lassen, die Blockade der Information der Bevölkerung durch Journalisten (rbb, taz), die Ihre Gatekeeper-Funktion mißbrauchen, indem Sie die Informationen zu diesem Vorgang nicht oder schlecht recherchieren, schwach oder gar nicht begründet als irrelevant verwerfen, die Berichterstattung über diesen Vorgang regelrecht verhindern, indem sie absurde Gründe anführen, die gegen eine Veröffentlichung sprechen würden, stattdessen Hofberichterstattung per Agenturmeldung betreiben (z.B. MOZ), das Desinteresse einiger politischer Parteien (speziell der SPD), die aktive Verdrehung von Tatsachen durch andere (CDU OPR) und der nur als Strohfeuer zu bezeichnende hastige Aktivismus von Grünen und Linken (abgesehen von Einzelpersonen aus diesen Parteien), zeichnen ein erschreckendes Bild vom Zustand der parlamentarischen Landschaft und der (über)regionalen Medien.
Die Befürworter dieser Remilitarisierung schauen derweil bewundernd in den Himmel und freuen sich über die Rückkehr der Kampfjets über Ihren Häusern und Gärten, über die Sprachlosigkeit und Lethargie der betroffenen Mehrheit der Bevölkerung, die unter dieser Remilitarisierung der Gegend zu leiden hat. Sie fühlen sich vermutlich gut „beschützt“ – und ihre Rasentraktoren sind sowieso lauter, als diese Kampfjets (ein zum Höhepunkt der Proteste gegen das sog. Bombodrom maßgeblicher Streiter gegen die Wiederaufnahme von militärischen Übungen über der Kyritzer Heide verglich, laut Behauptung eines rbb-Journalisten, den Lärm von Eurofightern mit dem von LKWs – und erklärte ihn deshalb für unbdeutend [das war dem rbb Grund genug, nicht zu recherchieren und nicht zu berichten]). Sind diese Männer wirklich die Mehrheit im Lande?

Die typische Amplitude der Lärmbelastung einer durchschnittlichen Flugübung über der Region der Eurofighter der Bundesluftwaffe dauert ca. 5 bis 10 Minuten an, die Pause zwischen den einzelnen Anflügen variiert zwischen 2 bis 20 Minuten, wobei der Fluglärm oft gar nicht komplett verebbt, sondern nur an- und abschwillt. Die Stärke, Ausprägung und Auswirkung dieses Lärms ist auf dieser Website ausführlich beschrieben (Dies sei angemerkt, nachdem ein Mitglied von B90/Grüne OPR doch tatsächlich nachfragte, was genau den Lärmteppiche in großer Höhe seien – von denen natürlich nie die Rede war.)
An einigen Tagen sind die Flugrouten, Kurvenflüge, Kampfübungen gut an den Kondensstreifen abzulesen, die dann merkwürdige Gebilde im Himmel über der Seenlandschaft im Norden Brandenburgs hinterlassen.
An anderen Tagen ist nur stundenlang das donnernde Lärmen der Strahltriebwerke zu hören, die im Beschleunigungsflug nach Norden die sich hinter ihnen befindlichen Regionen (hier also das gesamte Gebiet Rheinsberg,Kyritz,Zechlin) verlärmen.

In den Pausen der militärischen Fliegerei wird das Gebiet über diesem Landstrich sehr kurzfristig wieder für den zivilen Flugverkehr freigegeben. Es erfolgen dann oft zusätzlich sehr viele zivile Flüge über dieser noch vor einigen Monaten sehr ruhigen Region. Die starke Belastung der Region durch zivile Flüge kann man auf einschlägigen Flugradar-Internetseiten, wie http://www.fllightradar24.com nachverfolgen. Zur Zunahme des zivilen Flugverkehrs gibt es auch wieder nur kurze Agenturmeldungen oder Nebensätze, die durch die Presse verbreitet werden, wie die, daß sich über der Ostprignitz ja bekanntlich „ein Luftdrehkreuz“ befinde. Diese Aussage wurde von der Märkischen Oderzeitung getroffen, im Zusammenhang mit einem tieffliegenden Zivilflugzeug, daß im Jahr 2014 die Region in Schrecken versetzte. Erklärungen zu diesem Luftdrehkreuz bekommt man hingegen keine. Die Aussage deckt sich allerdings mit Aussagen von alt ansässigen Einwohnern in der Region, die bestätigen, daß der zivile Luftverkehr in den letzten Jahren spürbar zugenommen habe.

Auch die „Aktivierung“ und „Deaktivierung“ einzelner Sektoren der Sonderflugzone ED-R 401 kann man sehr schön auf diesen Flugradarseiten nachverfolgen: Werden Sektoren oder die gesamte Flugzone für den zivilen Flugverkehr gesperrt, sieht man, wie der zivile Flugverkehr weite Umwege, z.B. auf dem Weg von und nach Skandinavien, fliegt. Sicherlich machen diese enormen Umwege, die aufgrund von militärischen Luftkampfübungen über Nordbrandenburg und Mecklenburg-Vorpommern geflogen werden müssen, die Kerosineinsparungen wett, die so gerne als Grund für die „Flexibilisierung“ der Einflugschneisen von in Städten (z.B. Berlin-Tegel) gelegenen Flughäfen bemüht wird, die dort wiederum unnötig viele tausend Einwohner belastet.

Das Flugaufkommen ist wegen der heimlichen Einrichtung der Sonderflugzone ED-R 401 durch die Bundeswehr und das Bundesverteidigungsministerium in dieser Region so sehr angestiegen, daß von Ruhe werktäglich kaum noch die Rede sein kann (an Sonn- und Feiertagen kakophoniert hingegen die Rasenmäher-Gartentraktor-Kettensägen-Fraktion unter dem dann relativ ruhigen Landhimmel Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns).

Der Fluglärm, besonders der militärische, hat in dieser Region Ausmaße angenommen, die weite Teile der touristisch besonders wertvollen Erholungsgebiete nördlich von Berlin nicht mehr als Erholungsgebiete geeignet erscheinen lassen. Die unter der ausgeweiteten Flugzone ED-R 401 (im Vergleich zu der vorher bestehenden Sonderflugzone im Testbtrieb, ED-R 206 und 306) liegenden besonderen Schutzgebiete, wie die Feldberger Seen, die Rheinsberger Seen, die Mecklenburger Seenplatte, das FFH im ehemaligen Bombodrom (dieses wird von der Bundesluftwaffe mindestens seit dem Herbst 2013 wieder regelmäßig überflogen) sind sämtlich von diesem neuen, zusätzlich zum hinzugekommenen zivilen, militärischen Fluglärm erheblich betroffen und in Mitleidenschaft gezogen worden.

Die Redaktion dieser Website bittet Bewohner von Mecklenburg-Vorpommern, ihre Beobachtungen dieser Website mitzuteilen, damit diese veröffentlicht werden können. Dazu kann auch die Kommentarfunktion auf dieser Website genutzt werden.

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